Brivaracetam bei Epilepsie: Zusatznutzen noch nicht belegt

In dem daraufhin vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) in Auftrag gegebenen Nachtrag zum IQWiG ist das Institut nun zu dem Ergebnis gekommen, dass dieser neue indirekte Vergleich methodisch besser ist. Der Hersteller hat nun unter anderem die fehlenden Ergebnisse analysiert. Dieser später vorgelegte indirekte Vergleich zeigt jedoch immer noch keinen zusätzlichen Nutzen von Brivaracetam gegenüber der geeigneten Vergleichstherapie.

Neue Analysen beheben die Defizite nur teilweise

In seiner Dossierbewertung im Mai kritisierte das IQWiG, dass nicht alle vom Hersteller vorgelegten Brivaracetam-Studien für die Nutzenbewertung relevant seien, dass die Studien für informative indirekte Vergleiche nicht ausreichend ähnlich seien, dass der Hersteller nicht alle relevanten Ergebnisse analysiert habe und dass Die Vergleichstherapien waren nicht erkennbar auf den einzelnen Patienten zugeschnitten, wie vom G-BA gefordert.

Der vom Hersteller nachgereichte neue indirekte Vergleich spricht die ersten drei Kritikpunkte an. Die Brivaracetam-Studie ist für die Fragestellung relevant, die zum Vergleich herangezogenen Studien sind dieser Studie hinreichend ähnlich und es werden weitere patientenrelevante Ergebnisse angesprochen. Das Problem bleibt jedoch ungelöst, dass die Behandlung in den Kontrollarmen nicht auf den einzelnen Patienten zugeschnitten war und somit nicht der geeigneten Vergleichstherapie entspricht.

Nichtunterlegenheit von Brivaracetam fraglich

Unabhängig von der Frage, ob die vom G-BA vorgegebene geeignete Vergleichstherapie durchgeführt wurde, zeigt der indirekte Vergleich in der Gesamtbetrachtung keinen Vorteil von Brivaracetam gegenüber Lacosamid. In den Endpunktkategorien "Mortalität" und "gesundheitsbezogene Lebensqualität" wurden im Vergleich zu Lacosamid weder Vor- noch Nachteile von Brivaracetam gezeigt.

In der Kategorie "Nebenwirkungen" wurden signifikante Effekte zugunsten von Brivaracetam (bei schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen und bestimmten unerwünschten Ereignissen wie Schwindel oder Augenerkrankungen) gezeigt. Die verfügbaren Daten zu den Morbiditätsergebnissen "Anfallshäufigkeit", "Ansprechrate 50%" und "Anfallsfreiheit" lassen jedoch Zweifel aufkommen, dass Brivaracetam mindestens genauso wirksam ist wie Lacosamid. In Bezug auf die Anfallshäufigkeit zeigt die eine Lacosamid-Studie keinen eindeutigen Vor- oder Nachteil von Brivaracetam, während die andere einen statistisch signifikanten Nachteil des neuen Arzneimittels im Vergleich zu Lacosamid aufweist. Beide Lacosamid-Studien liefern auch heterogene Ergebnisse für die beiden anderen Endpunkte, die jedoch nicht zu statistisch signifikanten Vor- oder Nachteilen führen.

Insgesamt zeigt der indirekte Vergleich daher keinen Vorteil von Brivaracetam gegenüber der Vergleichstherapie.