Wenn das Immunsystem das Tumorwachstum fördert

Das Immunsystem schützt den Körper vor Krebszellen. Die Beseitigung von Krebszellen ist eine wichtige Aufgabe von NK-Zellen. Damit NK-Zellen ordnungsgemäß funktionieren, benötigen sie den Aktivator STAT5.

Dagmar Gotthardt, Veronika Sexl und Kollegen vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Vetmeduni Vienna haben gezeigt, dass NK-Zellen ohne STAT5 das Wachstum von Krebszellen fördern. "Sie können sich STAT5 wie einen Ein / Aus-Schalter vorstellen. Wenn STAT5 vorhanden ist, regt es NK-Zellen an, gegen Krebszellen zu wirken. Fehlt STAT5, tun NK-Zellen das Gegenteil und regen das Wachstum der Krebszellen an", erklärt Gotthardt Erstautor der Studie.

Bei vielen Krebsarten ist die STAT5-Hemmung die Behandlung der Wahl

STAT5 ist bei vielen Krebsarten wie Bauchspeicheldrüsenkrebs, Leberkrebs und Leukämie sehr aktiv. Medikamente, die STAT5 hemmen, sind eine große Hoffnung für die Behandlung vieler verschiedener Tumortypen. Gotthardt und ihre Kollegen stellen diese Strategie nun in Frage. "Diese Inhibitoren zielen nicht nur auf Krebszellen ab, sondern können sich auch negativ auf das Immunsystem und die NK-Zellen auswirken. Sie könnten das Fortschreiten der Krankheit fördern. Das wäre ein gefährlicher Cocktail für Patienten", sagt Gotthardt.

Zum ersten Mal haben die Forscher gezeigt, dass NK-Zellen einen Faktor namens VEGF-A (Vascular Endothelial Growth Factor A) produzieren, der das Tumorwachstum fördert. Verschiedene Experimente haben gezeigt, dass STAT5 für die Abtötung von Tumorzellen erforderlich ist und normalerweise die Produktion von VEGF-A in NK-Zellen unterdrückt. Wenn STAT5 inhibiert ist, wird VEGF-A in hohen Mengen produziert, was zu einer erhöhten Tumorprogression führt. Die Ergebnisse sind von klinischer Relevanz: Einer der in der Studie untersuchten Inhibitoren wird bereits klinisch angewendet.